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Vereinsgeschichte
Zwischen Tradition und Zukunft
Die Gründung des Schwäbischen Frauenvereins e.V. geht direkt auf die bürgerliche Frauenbewegung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zurück. Der 1865 in Leipzig gegründete Allgemeine Deutsche Frauenverein hielt im Oktober 1873 seine 6. Generalversammlung in Stuttgart ab. Eine Gruppe Stuttgarter Frauen, die schon im Winter 1872 überlegte, wie man "dem weiblichen Geschlecht zu einem würdigeren Dasein (...) verhelfen und der allerorts herrschenden Not" entgegensteuern könnte, nutzte den Schwung, der die Stuttgarterinnen durch die Generalversammlung des Frauenvereins erfasste und gründete in deren Anschluss den Schwäbischen Frauenverein.
Die Ziele waren klar: Aufbau von Ausbildungsstätten für Frauen. Die Schnelligkeit, mit der die Pläne umgesetzt wurden, ist auch heute noch bemerkenswert, vor allem, wenn man bedenkt, dass den Frauen viel Misstrauen und wenig Unterstützung zuteil wurde. Drei Monate nach der Vereinsgründung, im Januar 1874, richtete der Schwäbische Frauenverein eine Töchter-Handelsschule ein, die junge Frauen in kaufmännischen Berufen ausbildete, die damals noch ganz dem männlichen Geschlecht vorbehalten waren. Im Mai 1874 folgte die Eröffnung der Frauenarbeitsschule, die Mädchen die Möglichkeit bot, unterschiedliche Handarbeiten sowohl für den Erwerb als auch zur Führung eines eigenen Haushalts zu erlernen. Kurze Zeit später bildete die Frauenarbeitsschule auch so genannte Industrie-, Arbeits- und Fachlehrerinnen aus. Ein Kindergarten wurde im August 1875 eingereicht, 1876 wurde das erste Vereinshaus in der Reinsburgstraße gekauft, um die Schulen an einem Ort unterbringen zu können.
1891 folgte die Gründung einer Kochschule, ab 1894 konnten sich junge Frauen als Kindergärtnerinnen ausbilden lassen, ein Jahr später wurde die Haushaltsschule eröffnet. 1897 gab der Schwäbische Frauenverein eine eigene Zeitung heraus: Der "Frauenberuf" informierte seine Leserinnen wöchentlich über Berufsmöglichkeiten, die Aktivität der Frauenbewegung, die Rechtslage der Frauen, die Arbeit der nach und nach entstandenen Frauenvereine, gab Ratschläge für den Alltag und bot Unterhaltung. Die Zeitschrift erschien bis 1914 in einer Auflage von 2.000 Exemplaren und bietet heute noch eine interessante Lektüre.
1901 baute der Schwäbische Frauenverein sein zweites Vereinshaus in der Silberburgstraße. Ein Zeichen für das stetig wachsende Interesse junger Frauen, dort eine Ausbildung zu machen, die lange Zeit von keiner anderen Institution angeboten wurde. Dass es sich dabei um "typische" Frauenberufe handelt, ist angesichts der Zeitumstände nicht weiter verwunderlich.
1917 - mitten im Ersten Weltkrieg - kam die Gründung der sozialen Frauenschule dazu, die Fürsorgerinnen, die heutigen Sozialarbeiterinnen, ausbildete. Auch diese Schule war ein Novum in Stuttgart.
Die Schulen des Schwäbischen Frauenvereins gingen im Laufe der Jahre unterschiedliche Wege: Die Frauenarbeitsschule wurde 1916 an die Stadt Stuttgart übergeben. Sie hatte eine Größe erreicht, die die Kapazitäten des Vereins überforderte. Die Töchter-Handelsschule wurde 1926 geschlossen, weil es mittlerweile genug städtische und private Angebote gab, einen kaufmännischen Beruf zu erlernen. Die Koch- und Haushaltungsschule wurden in den achtziger Jahren aufgegeben, weil das Interesse junger Frauen an diesen Berufen - es war ja auch die Zeit der so genannten zweiten Frauenbewegung - stark nachgelassen hatte. Aus der sozialen Frauenschule entwickelte sich 1971 die Fachhochschule für Sozialwesen, die in staatliche Hand kam.
So konzentriert sich der Schwäbische Frauenverein heute auf die Ausbildung sozialer Berufe: Erzieher/innen werden in Voll- und Teilzeit ausgebildet, seit 1975 bieten wir eine berufsbegleitende Ausbildung zum/zur Kinderpfleger/innen an und seit 1985 bilden wir zur Fachwirtin und zum Fachwirt für Organisation und Führung im Sozialwesen aus.
Zur Erfüllung und Weiterentwicklung unserer Aufgaben freuen wir uns als gemeinnützig anerkannter Verein immer über Zuwendungen Wir sind seit vielen Jahren Mitglied im Landesfrauenrat.




